Schule im Aufbruch Österreich

Eine Lernkultur, die Potenziale entfaltet

Jedes Kind bringt eigene Begabungen, Interessen und Fähigkeiten mit. Schule soll jungen Menschen Raum geben, diese zu entdecken und zu entfalten. Dafür setzt sich Schule im Aufbruch Österreich ein.

Die Initiative möchte Kindergärten und Schulen dabei unterstützen, die Begeisterung, Kreativität und Selbstwirksamkeit von Kindern und Jugendlichen zu erhalten und weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt steht eine Lernkultur, die junge Menschen ernst nimmt, ihnen etwas zutraut und sie darin bestärkt, Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu übernehmen.

Dazu gehört ein anderes Verständnis von Lernen und Leistung. Statt vor allem Fehler zu suchen, geht es darum, Stärken zu erkennen. Statt Lernen auf die Vermittlung von Wissen zu beschränken, sollen Kinder und Jugendliche eigene Fragen verfolgen, selbstständig Lösungen entwickeln und ihre Fähigkeiten in der Praxis erproben. Vertrauen, wertschätzende Beziehungen und die Möglichkeit, den eigenen Lernweg mitzugestalten, bilden dafür wichtige Grundlagen.

Schule im Aufbruch Österreich möchte zeigen, dass solche Veränderungen bereits möglich sind. Die Initiative macht Erfahrungen aus der Praxis sichtbar, bringt Menschen miteinander in Kontakt und ermutigt sie, eigene Schritte zu einer neuen Lern- und Beziehungskultur zu gehen.

Eine Bewegung für die Veränderung von Schule

Die Arbeit von Schule im Aufbruch in Österreich begann 2012. Im Juni 2014 wurde der Verein Schule im Aufbruch Österreich zur Förderung von Potenzialentfaltung im Bildungssystem gegründet.

Zu den Initiator der Bewegung gehören Margret Rasfeld, Gerald Hüther und Stefan Breidenbach. In Österreich prägte insbesondere Peter Schipek die frühen Jahre der Initiative. Er brachte Menschen zusammen, organisierte Vorträge, Lesungen, Filmvorführungen und Bildungsveranstaltungen und trug dazu bei, ein österreichweites Netzwerk aufzubauen.

Aus den ersten Begegnungen entwickelte sich eine Initiative, die Menschen aus unterschiedlichen Bereichen des Bildungssystems miteinander verbindet. Dazu gehören Pädagog:innen, Schulleitungen, Eltern, Schüler:innen, Studierend:innen, Vertreter:innen von Hochschulen und Universitäten sowie Menschen aus der Bildungsverwaltung.

Schule im Aufbruch Österreich versteht sich nicht als Anbieterin eines einheitlichen Schulkonzepts. Die Initiative gibt keine fertigen Rezepte vor, die überall gleichermaßen funktionieren sollen. Sie zeigt unterschiedliche Wege auf und unterstützt Schulen dabei, die Ansätze zu finden, die zu ihren eigenen Voraussetzungen und Zielen passen.

Schulen verändern, ohne alle über einen Kamm zu scheren

Wie kann eine Schule zu einem Ort werden, an dem Kinder und Jugendliche ihre Potenziale entfalten? Welche Veränderungen braucht es dafür im Unterricht, in der Zusammenarbeit und im gesamten Schulalltag?

Schule im Aufbruch Österreich greift solche Fragen auf und verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit Erfahrungen aus der Schulpraxis. Die Initiative macht Beispiele gelungener Schulentwicklung sichtbar und stellt Methoden und Werkzeuge zur Verfügung, mit denen Schulteams ihre eigene Situation reflektieren und neue Ideen entwickeln können.

Ein wichtiger Ausgangspunkt ist ein gemeinsames Bündnis vor Ort. Wenn Pädagog:innen, Schulleitung, Eltern und Schüler:innen ihre Vorstellungen austauschen und gemeinsam eine Richtung entwickeln, entsteht eine Grundlage für Veränderung. Dabei geht es nicht darum, von heute auf morgen alles neu zu machen. Auch kleine, gut durchdachte Schritte können Veränderungen anstoßen, die sich nach und nach im Schulalltag verankern.

Schule im Aufbruch unterstützt diesen Prozess vor allem durch Inspiration, Ermutigung und Vernetzung. Die Initiative stellt Erfahrungen und Materialien bereit, eröffnet Räume für Austausch und bringt Menschen zusammen, die vor ähnlichen Fragen stehen. Die Verantwortung für die konkrete Umsetzung bleibt bei den Schulen und ihren Schulgemeinschaften.

Schule mit SPIN: Gemeinsam Schulentwicklung gestalten

Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit in Österreich liegt auf der Zusammenarbeit mehrerer Schulen. Veränderungen müssen nicht an jeder Schule allein entwickelt werden. Wenn Schulteams über längere Zeit miteinander arbeiten, Erfahrungen teilen und voneinander lernen, können neue Perspektiven und tragfähige Lösungen entstehen.

Mit dem Programm „Schule mit SPIN“ werden Schulen dabei unterstützt, ihre Entwicklung gemeinsam mit anderen Schulen ihrer Region voranzubringen. Das Programm ist auf drei Jahre angelegt und wird in Kooperation mit Pädagogischen Hochschulen in mehreren österreichischen Regionen umgesetzt. Die Innovationsstiftung für Bildung fördert das Programm, Schule im Aufbruch ist für das Programmmanagement verantwortlich.

Im Mittelpunkt stehen drei Themenbereiche:

  • die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen
  • die Prävention von Gewalt und Mobbing
  • die Prävention extremistischer Tendenzen und Radikalisierung

Die beteiligten Schulen arbeiten in Gruppen zusammen und beschäftigen sich mit ihren jeweiligen Entwicklungsfragen. Der Austausch mit anderen Schulteams ermöglicht es, unterschiedliche Erfahrungen kennenzulernen, gemeinsame Herausforderungen zu bearbeiten und neue Ansätze für die eigene Schule zu entwickeln.

„Schule mit SPIN“ knüpft an den Multi-Schulen-Ansatz von Schule im Aufbruch an. Dieser verbindet Schulen über einen längeren Zeitraum in einem gemeinsamen Entwicklungsprozess. Die Erfahrungen und Erkenntnisse aus solchen Kooperationen sollen dazu beitragen, Veränderungen nicht nur anzustoßen, sondern nachhaltig im Schulalltag zu verankern.

FREI DAY: Zukunftsfragen werden zu eigenen Projekten

Wie wollen wir in Zukunft leben? Was können wir gegen Umweltprobleme tun? Wie können wir das Zusammenleben in unserer Gemeinde verbessern?

Der FREI DAY gibt Kindern und Jugendlichen Zeit, sich mit solchen Fragen auseinanderzusetzen und eigene Ideen in die Tat umzusetzen. Das Lernformat ist fest im Stundenplan verankert und findet wöchentlich für mindestens vier Stunden statt.

Die Schüler:innen wählen Zukunftsfragen, die sie interessieren, entwickeln gemeinsam Projekte und setzen diese möglichst in ihrem direkten Lebensumfeld um. Dabei können sie mit Menschen aus ihrer Nachbarschaft, ihrer Gemeinde oder anderen Bereichen der Gesellschaft zusammenarbeiten. Orientierung bieten die Global Goals der Vereinten Nationen, die Ziele für eine nachhaltige Entwicklung formulieren.

Im FREI DAY lernen junge Menschen, selbstständig zu arbeiten, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Sie erleben, dass ihre Ideen etwas bewirken können und dass Lernen nicht an der Klassenzimmertür endet.

Schule im Aufbruch Österreich informiert über das Lernformat und unterstützt interessierte Schulen mit Materialien und Einführungsangeboten. Über die Website können Schulen Zugang zu kostenfreien Informationen und Umsetzungshilfen erhalten. Veranstaltungen und Austauschmöglichkeiten bieten Gelegenheit, Fragen zu klären und Erfahrungen aus der Praxis kennenzulernen.

Viele Wege zu einer neuen Lernkultur

Schule im Aufbruch Österreich beschäftigt sich mit unterschiedlichen Ansätzen, die Lernen selbstbestimmter, lebensnaher und gemeinschaftlicher gestalten. Die Initiative zeigt, wie solche Ansätze im Schulalltag umgesetzt werden können, und stellt dazu Beispiele, Methoden und Materialien bereit.

Dazu gehören unter anderem:

Selbstorganisiertes Lernen: Kinder und Jugendliche gestalten ihren Lernweg zunehmend eigenständig. Lernbüros, Logbücher und andere Werkzeuge unterstützen sie dabei, ihre Arbeit zu planen, Lernfortschritte zu reflektieren und Verantwortung zu übernehmen.

Projektbasiertes Lernen: Schüler:innen beschäftigen sich gemeinsam mit einer Frage oder einem Thema. Sie recherchieren, entwickeln Ideen und erarbeiten Ergebnisse, die sie anderen vorstellen oder praktisch umsetzen können.

Lernen durch Engagement: Fachliches Lernen wird mit gesellschaftlicher Beteiligung verbunden. Kinder und Jugendliche setzen sich mit konkreten Anliegen auseinander und entwickeln Projekte, die anderen Menschen oder ihrer Gemeinde zugutekommen.

Lernen im Leben: Lernprozesse werden mit Erfahrungen außerhalb des Klassenzimmers verbunden. Begegnungen mit Menschen aus der Praxis, außerschulische Lernorte und selbst gewählte Herausforderungen eröffnen neue Zugänge zu Wissen und Erfahrung.

Lernbegleitung und wertschätzende Rückmeldung: Pädagog:innen unterstützen Kinder und Jugendliche dabei, ihren Lernprozess zu gestalten, eigene Ziele zu entwickeln und ihre Fortschritte wahrzunehmen. Dabei stehen Ermutigung, Vertrauen und eine konstruktive Beziehung im Vordergrund.

Diese Ansätze sind keine verbindliche Methode, die jede Schule vollständig übernehmen muss. Sie zeigen vielmehr unterschiedliche Möglichkeiten, Lernen zu gestalten. Jede Schule kann prüfen, welche Ideen zu ihrer Situation passen und welche nächsten Schritte sie gehen möchte.

Wissen teilen und Menschen verbinden

Veränderung braucht Menschen, die sich gegenseitig unterstützen. Deshalb versteht sich Schule im Aufbruch Österreich als Netzwerk, in dem Erfahrungen geteilt, neue Ideen entwickelt und Kontakte geknüpft werden.

Ein wichtiger Teil der Arbeit sind Veranstaltungen, Fortbildungen und Webinare. Sie greifen Fragen der Lernkultur, der Potenzialentfaltung und der Schulentwicklung auf. Teilnehmende erhalten Einblicke in unterschiedliche Ansätze, lernen Beispiele aus der Praxis kennen und können sich mit anderen Pädagog:innen und Interessierten austauschen.

Zu den Angeboten gehören außerdem die Schule-im-Aufbruch-Tage, Vorträge, Seminare und Austauschformate. In Kooperation mit Pädagogischen Hochschulen und Universitäten entstehen weitere Möglichkeiten, sich mit neuen Lernformen und Fragen der Schulentwicklung auseinanderzusetzen.

Auch Eltern werden als wichtige Beteiligte einer Schulgemeinschaft angesprochen. Schule im Aufbruch stellt Ideen und Praxisbeispiele für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Eltern und Pädagog:innen bereit. Dazu gehören gemeinsame Aktivitäten, Möglichkeiten zur Beteiligung und Formate, in denen Eltern ihre Fähigkeiten und Erfahrungen in das Schulleben einbringen können.

Die Vernetzung endet dabei nicht an der einzelnen Schule. Menschen aus verschiedenen Regionen und Bildungsbereichen können voneinander lernen und sich gegenseitig bei ihren Vorhaben stärken.

Lernorte sichtbar machen

In Österreich gibt es bereits viele Kindergärten und Schulen, die neue Wege des Lernens gehen. Schule im Aufbruch möchte diese Erfahrungen sichtbar machen und anderen zugänglich machen.

Dafür gibt es ein österreichweites Bildungsnetzwerk mit einer digitalen Karte, dem Lernraumradar. Dort können sich interessierte Menschen über Lernorte informieren, die neue Formen des Lernens und der Zusammenarbeit praktizieren.

Die Karte dient nicht nur der Orientierung. Sie eröffnet auch die Möglichkeit, direkt mit Schulen und anderen Lernorten in Kontakt zu treten. Gespräche, Austausch und Hospitationen können helfen, Einblicke in die konkrete Praxis zu gewinnen und Anregungen für die eigene Arbeit mitzunehmen.

So werden Beispiele aus dem Bildungsalltag zu einer gemeinsamen Ressource. Was an einem Ort bereits gelingt, kann andere inspirieren, eigene Wege zu entwickeln und Veränderungen anzustoßen.

Materialien, Bücher und wissenschaftliche Grundlagen

Schule im Aufbruch Österreich stellt Wissen und Erfahrungen auch in schriftlicher und digitaler Form zur Verfügung. Auf der Website finden sich Publikationen, Praxisberichte, Videos und Aufzeichnungen von Veranstaltungen.

Ein Beispiel ist das Praxisbuch „Die Reise zur Schule der Zukunft“ von Martin Ruckensteiner und Verena Thoma. Es beschäftigt sich mit Schultransformation und bietet Anregungen und Werkzeuge, mit denen Schulteams ihre Entwicklung gemeinsam gestalten können.

Mit der Publikation „Wie Lernen gelingt“ werden wissenschaftliche Erkenntnisse zu Bedingungen erfolgreichen Lernens verständlich aufbereitet. Die Materialien sollen dazu beitragen, Erkenntnisse aus Forschung und Praxis für den Schulalltag nutzbar zu machen.

Weitere Veröffentlichungen beschäftigen sich mit unterschiedlichen Aspekten einer neuen Lernkultur, darunter selbstbestimmtes Lernen, die Rolle von Pädagog:innen, Lernräume, Zusammenarbeit mit Eltern und die Entwicklung von Schulen als lernende Organisationen.

Die Materialien richten sich an unterschiedliche Menschen im Bildungssystem. Sie können einen ersten Zugang zu neuen Themen eröffnen, bestehende Vorhaben unterstützen oder Schulteams dabei helfen, konkrete nächste Schritte zu planen.

Gemeinsam an der Schule von morgen arbeiten

Schule im Aufbruch Österreich bringt Menschen zusammen, die Bildung weiterentwickeln wollen. Die Initiative macht sichtbar, was an Kindergärten und Schulen bereits gelingt, stellt Wissen und praktische Werkzeuge zur Verfügung und schafft Möglichkeiten für Austausch und gemeinsames Lernen.

Ob durch den FREI DAY, die Zusammenarbeit mehrerer Schulen, Veranstaltungen, Publikationen oder den Kontakt zu inspirierenden Lernorten: Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Kinder und Jugendliche ihre Begabungen entfalten, selbstständig lernen und ihre Zukunft mitgestalten können.

Der Weg dorthin sieht nicht an jeder Schule gleich aus. Schule im Aufbruch Österreich ermutigt Schulgemeinschaften, ihre eigenen Möglichkeiten zu entdecken, Verbündete zu finden und Veränderung Schritt für Schritt in die Praxis zu bringen.

Mehr erfahren: Auf der Website von Schule im Aufbruch Österreich finden sich Informationen zu den aktuellen Programmen, Veranstaltungen, Publikationen und Möglichkeiten, Teil des Netzwerks zu werden.