Nach innen wachsen, außen verändern
Wie können wir eine nachhaltige Zukunft gestalten, wenn wir zwar viele Probleme kennen, aber oft nicht wissen, wie wir gemeinsam mit ihnen umgehen sollen?
Die Inner Development Goals, kurz IDGs, beschäftigen sich mit genau dieser Frage. Sie beschreiben menschliche Fähigkeiten und Haltungen, die uns helfen, mit den Herausforderungen unserer Zeit umzugehen und Veränderungen gemeinsam voranzubringen.
Dazu gehören zum Beispiel, sich selbst besser zu verstehen, offen für neue Perspektiven zu bleiben, anderen Menschen mit Empathie zu begegnen, Konflikte konstruktiv zu bearbeiten und gemeinsam ins Handeln zu kommen.
Die IDGs sind kein festgelegter Entwicklungsplan und keine Liste, die Menschen vollständig erfüllen müssen. Sie bieten Orientierung und eine gemeinsame Sprache, um darüber nachzudenken, welche Fähigkeiten wir stärken wollen, bei uns selbst, in unseren Beziehungen und in unseren Gemeinschaften.
Eine nachhaltige Zukunft braucht uns alle
2015 haben die Vereinten Nationen 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung beschlossen, die sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs). Sie reichen von der Überwindung von Armut über hochwertige Bildung bis zum Klimaschutz und zu Frieden und Gerechtigkeit. Sie beschreiben, was sich weltweit verändern muss, damit Menschen und unser Planet eine lebenswerte Zukunft haben.
Doch Ziele allein bewirken noch keine Veränderung. Wir brauchen Menschen, die unterschiedliche Interessen verstehen, mit Unsicherheit umgehen, Verantwortung übernehmen und gemeinsam Lösungen entwickeln.
Hier setzen die IDGs an. Sie richten den Blick auf die menschlichen Fähigkeiten, die wir brauchen, um die Nachhaltigkeitsziele wirksam zu verfolgen. Die SDGs beschreiben wichtige Ziele für unsere gemeinsame Zukunft. Die IDGs fragen, welche Fähigkeiten uns dabei helfen, diese Ziele zu erreichen.
Dabei geht es nicht nur um die Entwicklung einzelner Menschen. Auch Teams, Schulen, Organisationen und ganze Gemeinschaften können lernen, anders miteinander zu arbeiten und Veränderungen gemeinsam zu gestalten.
Was uns stark macht, gemeinsam zu handeln
Das IDG-Framework bündelt menschliche Fähigkeiten in fünf Dimensionen. Sie zeigen unterschiedliche Seiten unserer Entwicklung, die miteinander verbunden sind.
Sein
Sich selbst verstehen, die eigenen Werte erkennen und mit innerer Klarheit handeln. Dazu gehört auch, mit den eigenen Gefühlen und Unsicherheiten umgehen zu lernen.
Denken
Zusammenhänge erkennen, kritisch hinterfragen, unterschiedliche Perspektiven einnehmen und offen für neue Erkenntnisse bleiben.
Beziehung
Anderen Menschen aufmerksam und empathisch begegnen, Unterschiede respektieren und sich als Teil einer größeren Gemeinschaft verstehen.
Zusammenarbeit
Zuhören, Vertrauen aufbauen, Konflikte konstruktiv bearbeiten und gemeinsam Lösungen entwickeln, die unterschiedliche Perspektiven berücksichtigen.
Handeln
Mut entwickeln, Verantwortung übernehmen und Ideen in konkrete Schritte übersetzen, auch wenn noch nicht alle Antworten feststehen.
Diese fünf Dimensionen sind keine voneinander getrennten Bereiche. Sie greifen ineinander. Wer etwas verändern will, muss Zusammenhänge verstehen, sich mit anderen verständigen und ins Handeln kommen. Dafür braucht es auch Selbstreflexion, Vertrauen und die Bereitschaft, aus Erfahrungen zu lernen.
Die Fähigkeiten sind nicht einfach angeboren oder unveränderlich. Wir können sie ein Leben lang weiterentwickeln, durch Begegnungen, gemeinsames Lernen und die bewusste Auseinandersetzung mit uns selbst und unserer Umwelt.
Veränderung beginnt bei uns
Im RealLabor gehören die IDGs zu einer wichtigen Frage: Wie gestalten wir Lern- und Lebensräume, in denen Menschen sich entwickeln, Verantwortung übernehmen und gemeinsam Veränderung möglich machen?
Gerade in Schulen wird deutlich, wie wichtig solche Fähigkeiten sind. Junge Menschen brauchen nicht nur fachliches Wissen. Sie brauchen auch Gelegenheiten, ihre eigenen Stärken kennenzulernen, anderen zuzuhören, mit Konflikten umzugehen und gemeinsam Lösungen zu finden. Dafür brauchen sie Vertrauen, echte Beteiligung und eine Lernkultur, in der Fehler zum Lernen gehören und eigene Ideen willkommen sind.
Das gilt ebenso für Pädagog:innen und alle anderen Menschen, die Schule gestalten. Auch sie brauchen Räume für Austausch, Reflexion und Zusammenarbeit, um neue Wege auszuprobieren und Veränderungen gemeinsam zu tragen.
Mit dem Herzfeld-Heft haben wir im RealLabor Leipzig eine praxisnahe Orientierung für eine neue Lernkultur entwickelt. Herzfeld verbindet einen grundlegenden Haltungswandel mit konkreten Lernformaten. Selbstwirksamkeit, Wertschätzung, Zusammenarbeit und Verantwortung sind dabei wichtige Bezugspunkte. So entstehen Verbindungen zwischen der inneren Entwicklung von Menschen und der Frage, wie wir Lernen und Zusammenleben im Schulalltag gestalten.
Die IDGs geben uns Anregungen, genauer hinzuschauen: Was brauchen wir selbst? Was brauchen andere? Und welche Bedingungen ermöglichen es uns, gemeinsam etwas zu verändern?

