Lernen, Zukunft zu gestalten.
Wie wollen wir in Zukunft leben? Wie gehen wir mit unserem Planeten um? Wie können Menschen überall auf der Welt in Würde leben? Und was brauchen wir, um unsere Gesellschaft gemeinsam zu gestalten?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Bildung für nachhaltige Entwicklung, kurz BNE. Sie vermittelt Wissen über die Herausforderungen unserer Zeit und hilft Menschen, Zusammenhänge zu verstehen, eigene Standpunkte zu entwickeln und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.
Dabei geht es um weit mehr als Umweltschutz. BNE verbindet ökologische Fragen mit sozialer Gerechtigkeit, Frieden, Menschenrechten, wirtschaftlichem Handeln und einem guten Zusammenleben. Sie fragt danach, wie wir heute leben und handeln können, ohne die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen zu gefährden.
BNE will Menschen nicht nur auf eine sich verändernde Welt vorbereiten. Sie will sie befähigen, diese Welt selbst mitzugestalten. Dafür braucht es Wissen, kritisches Denken, Empathie, Kreativität und die Erfahrung, mit dem eigenen Handeln etwas bewirken zu können.
Eine Idee, die die Welt verändert.
Die Erkenntnis, dass wir anders mit unserer Erde und miteinander umgehen müssen, ist nicht neu. Bereits 1972 rückten die Vereinten Nationen den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und die Verantwortung gegenüber kommenden Generationen international in den Mittelpunkt. In den folgenden Jahrzehnten wurde zunehmend deutlich, dass Umweltprobleme, Armut, soziale Ungleichheit und wirtschaftliche Entwicklung nicht unabhängig voneinander betrachtet werden können.
Ein wichtiger Schritt folgte 1992 auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro. Mit der Agenda 21 vereinbarten 178 Staaten ein umfassendes Aktionsprogramm für eine nachhaltige Entwicklung. Bildung, öffentliche Information und Weiterbildung wurden darin als wichtige Voraussetzungen für Veränderung benannt.
2002 riefen die Vereinten Nationen die Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ aus. Sie wurde von 2005 bis 2014 unter Federführung der UNESCO umgesetzt. Ziel war es, Nachhaltigkeit stärker in allen Bildungsbereichen zu verankern.
2015 verabschiedeten die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen die Agenda 2030 mit ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung. Im selben Jahr wurde BNE damit noch deutlicher als weltweite Bildungsaufgabe verankert. Mit dem UNESCO-Programm „BNE 2030“ wird dieser Weg weitergeführt.
Aus einer internationalen Verständigung über die Zukunft unseres Planeten ist so ein umfassender Bildungsansatz entstanden. Er stellt eine grundlegende Frage an unsere Bildungssysteme: Lernen Menschen nur, die Welt zu verstehen, oder lernen sie auch, sie verantwortlich zu verändern?
Alles hängt miteinander zusammen.
Nachhaltigkeit bedeutet, die Bedürfnisse der Menschen heute zu erfüllen und dabei die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen zu bewahren. Dafür müssen wir verstehen, wie unser Handeln die Umwelt, andere Menschen und unsere wirtschaftlichen Lebensbedingungen beeinflusst.
Ein Beispiel: Ein günstiges T-Shirt ist nicht nur eine Frage des Preises. Bei seiner Herstellung werden Wasser und Rohstoffe benötigt. Menschen arbeiten unter unterschiedlichen Bedingungen, Transportwege verbrauchen Energie und am Ende stellt sich die Frage, wie lange das Kleidungsstück genutzt wird und was mit ihm geschieht, wenn wir es nicht mehr brauchen.
Ähnliche Zusammenhänge finden wir beim Essen, bei unserer Mobilität, bei der Energieversorgung und in unserem Zusammenleben. Entscheidungen, die an einem Ort getroffen werden, können Auswirkungen auf Menschen und Ökosysteme an ganz anderen Orten haben. Was für einige Menschen Vorteile bringt, kann für andere Nachteile oder sogar existenzielle Folgen haben.
Deshalb betrachtet BNE drei eng miteinander verbundene Bereiche: die ökologische Verantwortung für unsere natürlichen Lebensgrundlagen, die soziale Verantwortung für ein gerechtes und friedliches Zusammenleben und die wirtschaftliche Verantwortung für eine langfristig tragfähige Entwicklung.
Diese Bereiche lassen sich nicht voneinander trennen. Wirtschaftliches Handeln braucht natürliche Ressourcen und menschliche Arbeit. Soziale Gerechtigkeit hängt auch davon ab, wie Ressourcen und Chancen verteilt werden. Und der Schutz unserer Lebensgrundlagen betrifft alle Menschen, wenn auch nicht alle gleichermaßen.
Nachhaltigkeit beginnt dort, wo wir über einzelne Probleme hinausblicken und die Zusammenhänge erkennen. BNE unterstützt uns dabei, Fragen zu stellen, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und Lösungen zu suchen, die den Menschen und unserem Planeten gerecht werden.
Eine gemeinsame Zukunft für alle.
2015 haben die Vereinten Nationen mit der Agenda 2030 einen gemeinsamen Rahmen für eine nachhaltige Entwicklung geschaffen. Ihr Kern sind die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, international als Sustainable Development Goals oder SDGs bekannt.
Die Ziele reichen von der Überwindung von Armut und Hunger über Gesundheit, hochwertige Bildung und Geschlechtergleichheit bis hin zu sauberer Energie, menschenwürdiger Arbeit, Klimaschutz und dem Schutz der Meere und Ökosysteme. Auch Frieden, Gerechtigkeit und internationale Zusammenarbeit gehören dazu.
Die Ziele machen deutlich, dass eine lebenswerte Zukunft mehr erfordert als wirtschaftliches Wachstum oder technische Lösungen. Es geht um ein gutes Leben für alle Menschen, um den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen und um Gesellschaften, in denen Menschenrechte geachtet werden und niemand zurückgelassen werden soll.
Dabei stehen die Ziele miteinander in Verbindung. Hochwertige Bildung kann dazu beitragen, Armut zu überwinden, Ungleichheit abzubauen und Menschen zu befähigen, an gesellschaftlichen Entscheidungen mitzuwirken. Gleichzeitig brauchen Bildungseinrichtungen selbst gute Bedingungen, damit alle Menschen lernen und sich entwickeln können.
BNE ist deshalb eng mit der Agenda 2030 verbunden. Sie vermittelt nicht nur Wissen über die Nachhaltigkeitsziele, sondern unterstützt Menschen dabei, ihre Bedeutung für das eigene Leben und das eigene Umfeld zu verstehen. Sie hilft, Zielkonflikte zu erkennen, Lösungen zu entwickeln und selbst Verantwortung zu übernehmen.
Auch Schulen können die 17 Ziele zum Ausgangspunkt für Fragen und Projekte machen: Wie nachhaltig ist unser Schulalltag? Wo können wir Ressourcen schonen? Wie gehen wir miteinander um? Und wie können wir unsere Umgebung mitgestalten?
Die 17 Ziele geben eine gemeinsame Richtung vor. Wie wir sie mit Leben füllen, hängt auch von unserem Handeln ab.
Wissen allein reicht nicht.
Wer die Welt verändern will, muss sie zunächst verstehen. Doch Wissen allein führt nicht automatisch zu verantwortungsvollem Handeln. Es braucht auch die Fähigkeit, Zusammenhänge kritisch zu hinterfragen, andere Perspektiven einzunehmen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und mit Unsicherheit umzugehen.
BNE fördert deshalb nicht nur fachliches Wissen, sondern auch Fähigkeiten und Haltungen, die Menschen für eine nachhaltige Entwicklung brauchen. Dazu gehören kritisches und vorausschauendes Denken, Empathie, Kreativität, Zusammenarbeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Menschen sollen lernen, Informationen zu prüfen, unterschiedliche Interessen zu erkennen und sich mit schwierigen Fragen auseinanderzusetzen. Nicht jede Herausforderung hat eine einfache Lösung. Manchmal stehen wichtige Ziele miteinander im Konflikt. Umso wichtiger ist es, begründet zu entscheiden, verschiedene Perspektiven einzubeziehen und die Folgen des eigenen Handelns zu bedenken.
Dazu gehört auch die Erfahrung der Selbstwirksamkeit: Ich kann etwas bewegen. Meine Ideen sind gefragt. Gemeinsam mit anderen kann ich Veränderungen anstoßen, auch wenn ich nicht alle Probleme allein lösen kann.
BNE versteht Lernen deshalb als einen Prozess, der Kopf, Herz und Hand verbindet. Wir erwerben Wissen, entwickeln unsere Persönlichkeit, lernen mit anderen zusammenzuleben und setzen Erkenntnisse in die Praxis um. Diese ganzheitliche Perspektive findet sich auch in den vier Bildungsdimensionen wieder, die für unsere Arbeit mit Herzfeld wichtig sind: Wissen erwerben, handeln, zusammenleben und sein.
Es geht nicht darum, Menschen vorzuschreiben, was sie denken sollen. Es geht darum, sie zu befähigen, selbstständig zu denken, Verantwortung abzuwägen und die Zukunft gemeinsam mit anderen zu gestalten.
Lernen, das etwas bewegt.
Bildung für nachhaltige Entwicklung kann nicht auf eine Unterrichtsstunde zum Klimaschutz oder ein Projekt zum Thema Müll reduziert werden. Wenn junge Menschen lernen sollen, Verantwortung zu übernehmen und ihre Umwelt mitzugestalten, müssen sie diese Möglichkeiten auch im Schulalltag erfahren.
Das beginnt beim Lernen selbst. Schüler:innen brauchen Gelegenheiten, eigene Fragen zu stellen, Themen zu vertiefen, Zusammenhänge zu untersuchen und selbst Lösungen zu entwickeln. Sie sollen nicht nur Antworten übernehmen, sondern lernen, Fragen zu stellen, Informationen kritisch zu prüfen und eigene Entscheidungen zu begründen.
BNE wird besonders greifbar, wenn Lernen mit dem wirklichen Leben verbunden ist. Schüler:innen können untersuchen, wie ihre Schule mit Energie und Wasser umgeht, wie das Essen in der Mensa produziert wird oder wie ein respektvolles Miteinander gelingt. Sie können Ideen entwickeln, mit Menschen außerhalb der Schule zusammenarbeiten und erleben, wie aus einer Frage ein konkretes Vorhaben wird.
Dafür brauchen sie Freiräume, Vertrauen und echte Beteiligungsmöglichkeiten. Wer Verantwortung übernehmen soll, muss Entscheidungen mitgestalten dürfen. Wer Zusammenarbeit lernen soll, braucht Gelegenheiten, gemeinsam etwas zu entwickeln. Und wer Fehler als Teil des Lernens verstehen soll, muss erleben, dass Fragen und neue Lösungsversuche willkommen sind.
Das betrifft nicht nur den Unterricht. Auch die Beziehungen zwischen Menschen, die Gestaltung der Räume, die Entscheidungswege und der Umgang mit Ressourcen prägen, was in einer Schule gelernt wird. Wenn eine Schule Nachhaltigkeit vermittelt, sollte sie diese Haltung auch im eigenen Alltag sichtbar machen.
Der Whole School Approach greift genau diesen Gedanken auf: Die ganze Schule wird als Lern- und Lebensraum verstanden, in dem Nachhaltigkeit gemeinsam gestaltet wird.
Eine Schule, die Zukunft gestalten will, muss jungen Menschen zutrauen, schon heute Verantwortung zu übernehmen.
Veränderung beginnt im Alltag.
Für uns im RealLabor Leipzig ist Bildung für nachhaltige Entwicklung eng mit der Frage verbunden, wie wir miteinander leben, lernen und Entscheidungen treffen. Nachhaltigkeit braucht nicht nur Wissen über die Herausforderungen unserer Zeit. Sie braucht auch eine Haltung, die Menschen stärkt, Gemeinschaft ermöglicht und verantwortungsvolles Handeln im Alltag unterstützt.
Deshalb beschäftigen wir uns mit den Bedingungen, unter denen Menschen ihr Potenzial entfalten, eigene Ideen entwickeln und gemeinsam Veränderung gestalten können. Vertrauen statt Angst, Zusammenarbeit statt Konkurrenz und Verantwortung statt bloßer Anpassung sind wichtige Orientierungen für diesen Wandel.
Das betrifft die Beziehungen zwischen Schüler:innen und Pädagog:innen ebenso wie die Gestaltung von Lernprozessen und die Zusammenarbeit innerhalb einer Schulgemeinschaft. Menschen sollen erleben, dass sie dazugehören, gehört werden und etwas bewirken können. Veränderung entsteht, wenn sie nicht nur über neue Wege sprechen, sondern diese gemeinsam entwickeln und im Alltag umsetzen.
Als offener Begegnungsort bringen wir Menschen zusammen, die Schule und Bildung verändern wollen. Wir schaffen Raum für Austausch, neue Perspektiven und die Entwicklung konkreter Ideen. Dabei verbinden wir die Frage nach einer nachhaltigen Zukunft mit der Frage, welche Lern- und Schulkultur Menschen brauchen, um diese Zukunft verantwortlich mitzugestalten.
Der Whole School Approach bietet einen Rahmen, um diesen Wandel in der gesamten Schule zu verankern. Das UNESCO-Programm für Bildung für nachhaltige Entwicklung bildet einen weiteren wichtigen Bezugspunkt für unsere Arbeit.
Für uns beginnt Bildungswandel mit einer Haltung, die Menschen stärkt und ihnen zutraut, gemeinsam etwas zu verändern. Nachhaltige Entwicklung wird dort erfahrbar, wo aus dieser Haltung konkrete Praxis wird.
Eine neue Lernkultur gestalten.
Wie kann eine Schule aussehen, in der junge Menschen nicht nur Wissen erwerben, sondern sich als selbstwirksam erleben, Verantwortung übernehmen und ihre Gemeinschaft aktiv mitgestalten?
Mit Herzfeld haben wir im RealLabor Leipzig eine praxisnahe Orientierung für Schulen entwickelt, die sich auf den Weg zu einer neuen Lernkultur machen. Herzfeld verbindet die Ziele der Bildung für nachhaltige Entwicklung mit einer klaren Haltung und konkreten Lernformaten für den Schulalltag.
Im Mittelpunkt stehen vier gleichwertige Bildungsdimensionen: Wissen erwerben, handeln, zusammenleben und sein. Sie machen deutlich, dass Bildung mehr umfasst als fachliche Leistungen. Junge Menschen brauchen auch Möglichkeiten, ihre Persönlichkeit zu entwickeln, Beziehungen zu gestalten, eigene Stärken zu entdecken und Verantwortung für sich selbst, andere Menschen und unseren Planeten zu übernehmen.
Herzfeld unterstützt Schulen dabei, diese Haltung im Alltag sichtbar zu machen. Lernen soll mit der Lebenswelt junger Menschen verbunden sein. Schüler:innen sollen eigene Ideen entwickeln, an echten Herausforderungen arbeiten und erfahren, dass ihr Handeln einen Unterschied macht. Pädagog:innen begleiten diese Prozesse und gestalten gemeinsam mit den Lernenden eine Kultur der Wertschätzung, Zusammenarbeit und Verantwortung.
Damit verbindet Herzfeld die grundlegenden Anliegen der BNE mit der konkreten Frage, wie Lernen und Zusammenleben in der Schule gestaltet werden können.
Denn eine nachhaltige Zukunft braucht Menschen, die nicht nur wissen, was sich ändern muss, sondern auch erfahren, dass sie Veränderung gemeinsam gestalten können.
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